Aufruf zu Solidarität mit den Gefangenen in Griechenland + Veranstaltung in HH


Aufruf für internationale Aktionen in Solidarität mit dem Kampf der Gefangenen gegen die neuen Hochsicherheitsgefängnisse – Solidarität ist unsere Waffe

In letzter Zeit entsteht in Griechenland wieder ein Terrorklima. Der „Law and order“ Staat versucht die Neuordnung und Verschärfung der Repression aller Art (polizeiliche, gesetzliche sowie Züchtigungs-Strafrepression). Antiterrorgesetze, Vermummungsverbot, Verschärfung der Strafen, Erhöhung von Festnahmen und U-Haft werden durch den neuen Repressionsgesetzentwurf verstärkt. Der Gesetzentwurf sieht die Gründung neuer Isolationsgefängnissen vor und zielt generell auf die Isolation und die Ausrottung der gefangenen KämpferInnen und der kämpferischen Gefangenen.

Dieser Gesetzentwurf wird schon in Gefängnissen ganz Griechenlands angewendet: Abbrechen von Ausgangsgenehmigung oder dem Recht Strafaufschubs für Gefangene, die die vorgesehene Zeit ihrer Strafe schon verbüßt haben. Der Ablauf solcher Ereignisse verstärkt einen schon schlimmen Zustand in Gefängnissen, der seit Jahren schlechte Folgen hat, wie z.B. der Vorfall in Malandrino Gefängnis, wo der Gefangene Ilir Kareli in einem Moment von Selbstjustiz den Knast- Oberwächter Tsironis nach einem Konflikt hinsichtlich des Abbrechens seines Hafturlaubs umgebracht hat. Nachdem wurde Ilir von Bullen und Wächtern bis zum Tode gequält. Das war etwa eine informelle Anwendung von Todesstrafe als Vergeltungsmaßnahme für seine Tat.

Insbesondere sieht der Gesetzentwurf die Folgenden vor:
1- Drei Kategorien zur Klassifikation der Gefangenen werden eingeführt. Das sind die Kategorien A, B, und C. Im Rahmen einer generellen Vorbeugung gegen einer Revolte im Gefängnis erlässt der Staat die besondere Kategorie Typ C, wo die politischen Gefangenen, die gefangenen KämpferInnen sowie all die von dem Justizministerium als „Undisziplinierte” oder „Gefährliche“ charakterisierten Gefangenen zugeordnet werden.
2-Den Typ C Gefangenen wird der Hafturlaub entfallen, die Dauer des Ausgangs außer den Zellen wird noch begrenzt, wie auch die Dauer von Besuchszeit und telefonischer Kontakt mit Verwandten. Es ist auch vorgesehen, dass diese Gefangenen ihre ganze Strafe verbüßen müssen, ohne dass es Benefizmaßnahmen für ihre Verringerung gerechnet wird. Außerdem werden sie in diesen neuen Isolationsgefängnissen mindestens für zehn Jahre gehalten, nachdem wird es nur die Möglichkeit geben, die Haftung alle zwei Jahren zu überprüfen oder erneuen. Die durch das Antiterrorgesetz zur Freiheitsstrafen verurteilte Gefangenen haben kein Freilassungsrecht, wenn sie vorher nicht mindestens zwanzig Jahre ihrer Strafe verbüßt haben. Hinzu haben sie kein Arbeitsrecht. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass Griechenland an erster Stelle hinsichtlich der langjährigen und lebenslänglichen Inhaftierungen steht, da das Justizsystem vernichtende Strafen durchsetzt. Währenddessen ist die Überfüllung in Gefängnissen ein zweifelloses Phänomen.

-Typ C Zellen werden nicht nur in Domokos Knast eingeführt, sondern auch in anderen Knästen, damit die Gefangenen isoliert werden.

- Die Polizei übernimmt die Außensicherung der Gefängnisse (u.a. Kontrolle der Zellen, Gefangenentransport). Der Eingriff der Außerwache ins Gefängnis für Kontrollen und Repression fällt nun in die Zuständigkeit des jeweiligen Direktors, währenddessen werden die Bedingungen für Waffengebrauch von der Wache leichter.
-Gesetzgebung und Belohnung des Spitzelns, da es sogar vorgesehen ist, eine günstige Strafbehandlung für Gefangene, die mit Informationen zu der Zerschlagung bewaffneter Gruppe beitragen.
-Weitere Gesetzgebung in Bezug auf die Verwendung von DNA bei der Straf- oder Gerichtsverfahren (u.a. formelle Durchsetzung und Verbreitung der Datenbank, spezifische Verwendungsvorschriften der Stichprobe von genetischen Material).

Deswegen rufen wir am 19.6. einen Aktionstag in Solidarität mit den Gefangenen auf:

Gegen den faschistischen Gesetzentwurf für ein Gefängnis im Gefängnis
Gegen das Repressionsdogma “Law and Order”
Solidarität mit dem Kampf der Gefangenen, die ihre Würde fordern und mit dem neuen Totalitarismus von innen zusammenstoßen
Bis zum vollständigen Abriss jedes Gefängnisses

Soli-Fond für die finanzielle Unterstützung der Gefangene und verfolgten KämpferInnen
http://tameio.espivblogs.net

In diesem Kontext findet am 22. Juni 2014 um 18 Uhr eine Veranstaltung in der Hafenvokü (Hafenstraße, Hamburg) statt.
Eine Mitstreiterin aus Griechenland ist zu Gast und berichtet von den Kämpfen in den Knästen.
Veranstaltung „In Griechenlands Knästen brodelts…“

Neuer anarchistischer Podcast erschienen

Vor einigen Tagen ist ein neues Projekt, die Podcast-Reihe „Frequenz (A)“, online gegangen:

„Frequenz (A) haben wir auf der Basis gestartet, dass wir uns alle ein Leben jenseits der herrschenden Verhältnisse jenseits der Knastgesellschaft ein freies Leben wünschen. Frequenz (A) begreift sich als Medienprojekt, welches über aktuelle Konflikte und Themen aus einer antiautoritären beziehungsweise anarchistischen Perspektive berichtet.“ (Aus dem Selbstverständnis)

„Ein Interview mit Aktivist_innen aus Italien zu Repression und der aktuellen Situation der anarchistischen Bewegung in Italien bildet das Herzstück unserer ersten Ausgabe. Zudem haben wir für euch den aktuellen Stand in den NoTAV-Protesten zusammengetragen und ein Interview mit den Macher_innen des Culmine-Blogs vertont. Natürlich stellen wir uns auch vor und bringen einige News, Ankündigungen und geben den Gefangenen eine Stimme.
Hier ist die erste Ausgabe zum Anhören und Runderladen!

Hier der Link zum Blog:
frequenza.noblogs.org

HH: Wilde Demos und Krawall gegen die Grenzen und ihre Wächter

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Nachdem es am Donnerstag den 05.06. zu brutalen Übergriffen von Bullen auf einen Protest der Lampedusa Flüchtlinge und Unterstützer_innen auf dem Hamburger Rathausmarkt gekommen war, gingen Freitag Abend hunderte Menschen in St. Pauli auf die Straße.

Eine große unautorisierte Demonstration mit bis zu 1000 Menschen begann gegen 20 Uhr auf dem Neuen Pferdemarkt und ging über das Schulterblatt. Parolen gegen Staat und Grenzen wurden gegen Häuserwände, Banken und Geschäfte gesprüht, Feuerwerk gezündet und es war laut.

Nachdem die Bullen die Demonstration aufgestoppt hatten verteilte sich die Masse und traf sich zu verschiedenen Uhrzeiten an verschiedenen Orten im Viertel wieder. Zum Teil gab es mehrere Demonstrationen gleichzeitig. Das SPD Büro in St. Pauli wurde angegriffen außerdem wurde der Hauseingang des Wohnhauses der Justiz-Senatorin von Hamburg in der Brigittenstraße zerstört. Es wurde viele Barrikaden errichtet und die Bullen zum Teil angegriffen. Dies sind nur wenige Eindrücke dieser Nacht.

Die Bullen waren nicht in der Lage die Situation unter Kontrolle zu bringen. Es war erfreulich zu sehen das viele auf Eigeninitiative gesetzt haben und gut vorbereitet waren.

Keine Grenzen! Keine Staaten!
Für viele unkontrollierte Sommernächte!
Wie heute Nacht frischgesprüht an einer Hauswand in St. Pauli zu lesen war:
„Für die soziale Revolte!“

Inkognito – Erfahrungen jenseits der Identifikation


Dieses Buch handelt vom Leben im Verborgenen. Es sticht durch die Dunkelheit und springt in die Geheimnisse des Unerkannten, des Inkognito, einem Paralleluniversum in dem sogar das was gesagt werden könnte, oftmals nicht ausgesprochen wird. Sei es aus übermäßigem Taktgefühl, Angst oder weil gedacht wird, es sei nicht relevant. Oder in bestimmten Milieus und in den härtesten Fällen aufgrund bloßer politischer Taktik. Doch selbst auf den ersten Blick erscheint die Welt der Klandestinen nicht wie eine Wüstenlandschaft, im Gegenteil, sie ist bewohnt von lebenden Wesen, Erfahrungen und Ideen, welche unseren sehr nahe stehen, in sowohl den elendsten als auch den faszinierendsten Aspekten unseres Lebens, nahe unserer feurigsten Begehren und leidenschaftlichsten Tagträume.

Zur Übersetzung: Dies ist das letzte Kapitel aus dem Buch „Incognito – Experiences that defy identification“, erschienen 2007 bei Elephant Editions; online lesbar unter: http://digitalelephant.blogspot.de/2010/08/incognito.html Das italienische Original „In incognito. Esperienze che sfidano l’identificazione“ erschien erstmalig im Jahr 2003. Aktuell ist eine französische Ausgabe veröffentlicht worden. Leider gibt es meines Wissens nach keine deutsche Übersetzung, deswegen hoffe ich, dass bei den Lesenden Interesse, Diskussionsdrang und Motivation für weitere Übersetzungen aufkommt. Ich würde mich sehr freuen, wenn weitere Teile des Buches in deutscher Sprache hier auf linksunten veröffentlicht werden.

Ich habe alle vergeschlechtlichten Wörter in die weibliche Form gesetzt, was ein („fauler“) Kompromiss zwischen dem Anspruch an nicht-patriarchaler Sprache und bequemer Lesbarkeit ist.

Zur weiteren Diskussion: Wer will und zu dem Zeitpunkt in Berlin ist, kann am 25. Juni in die Braunschweiger Str. 53-55 zum Glossophobia-Tresen kommen und dort in gemütlicher Runde den Text und damit verbundene Gedanken besprechen. Es werden Kopien ausliegen, einen kurzen Input geben und nach einer Stunde Pause mit Musik können in großer oder mehreren kleinen Runden Worte gesucht und gefunden werden.

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„Vogelperspektiven“ Buchrezension von Thomas Meyer-Falk


Schon im Herbst 2012 legten die Anarchist_innen in Solidarität aus
Hamburg Thomas Bravens “Vogelperspektiven“ neu auf; und nach wie vor
gibt es dort die Möglichkeit ein Exemplar zu bestellen (für Gefangene
sogar für umsonst). Braven verbrachte in den 80ern gezwungenermaßen
einige Jahre in baden-württembergischen Knästen. In seinem Buch
berichtet er über seine eindrücklichsten Erfahrungen, wechselnd zwischen
der eigenen Biografie seiner Kindheit und Erlebnissen im Gefängnis. Aus
jeder Zeile spricht der widerständige Geist, den auch Isohaft und
körperliche Misshandlung nicht brechen konnten. Revolte beginnt im
eigenen Herzen – und Braven erzählt davon, wie er mit jeder Faser des
Körpers revoltierte und stets versuchte auszubrechen aus den Knästen,
das durchaus erfolgreich. Auch im zeitlichen Abstand von nun bald 25
Jahren, denn erstmals wurde “Vogelperspektiven” 1990 veröffentlicht, ist
das Buch unbedingt lesenswert: als historisches Zeugnis, aber
gleichfalls als Inspiration für heutige Generationen von Inhaftierten,
wie Anti-Knast-Aktivist_innen.

Thomas Braven, ” Vogelperspektiven”
zu bestellen: online noprison_nostate(-at-)riseup.net
brieflich: Anarchist_innen in Solidarität c/o Schwarzmarkt ‚
kl. Schäferkamp 46, 20357 Hamburg

Thomas Meyer-Falk,
c/o jva freiburg – SV-Abtlg.
hermann-herder-str. 8
d-79104 freiburg



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