Griechenland – der Vater eines Inhaftierten meldet sich zu Wort

Giannis Skouloudis wurde am 13. Oktober 2010 in Thessaloniki, Griechenland, festgenommen. Ihm wird vorgeworfen mehrere Fahrzeuge der Nationalen Elektrizitätsgesellschaft D.E.I. in Brand gesetzt zu haben. In einem Brief aus dem Knast heraus hat er hat sich zu den Vorwürfen bekannt.
Am Morgen nach seiner Festnahme wurden die Wohnung von Familienmitglieder_innen und von Freund_innen von ihm durchsucht. Für vier seiner Freunde, Babis Tsilianidis, Dimitris Dimtsiadis, Socrates Tzifkas und Dimitris Fessas, wurden Haftbefehle erlassen, sie tauchten unter, wurden aber am 13. Januar 2011 in Athen festgenommen und befinden sich ebenfalls in Untersuchungshaft. Nach ihrer Festnahme wurde von den Bullen und ihren willigen FreundInnen der Presse behauptet, dass die vier Mitglieder der „Conspiracy of the Cells of Fire“ sein, später Anschuldigungen lauten: “Allgemeingefährlichkeit und Mitgliedschaft in einer unbekannten terroristischen Organisation”. Im Knast haben sie einen längeren Text geschrieben, welcher auf waronsociety.noblogs.org zu finden ist.
Hier ein Brief des Vaters von Giannis Skouloudis, in welcher der Vater seine Solidarität mit seinem Sohn und allen anderen KämpferInnen für die Freiheit erklärt.

„(‘Terrorismus’ als Unschuldsakt…) Seit wann werden 20 jährige Jugendliche Terroristen genannt? Im Alter von zwei Jahre zum Christen getauft und mit 22 ein Terrorist. Gelobt wenn du weitere Bücher, als nur deine Schullektüre liest und dann wurden diese gegen dich als beweiskräftiger Beleg verwendet. Angewiesen worden zu sein, weiße Hemden in der Parade zu tragen und jetzt weiße kugelsicherer Westen vor Gericht…“ Denken Sie darüber nach…

Es sind 7 Monate seit dem Tag vergangen, als sie meinen Sohn Giannis Skouloudis für die Brandstiftung an Fahrzeugen der D.E.I. (Nationale Elektrizitäts-Gesellschaft) verhaftet haben. Dass er selbst die Verantwortung für diese Aktion übernommen hat, führte zu seiner Haft in der „Jugendvollzugsanstalt“ von Avlona, wie der Staat diese modernen Höllenlöcher menschlicher Seelen nennt.

Die ganze Zeit diesen Krieg intensiv beobachtend, fühlte ich den Drang grüßen zu müssen. Ich wollte Stärke und Mut all denen geben, die ihm beistehen. Jene, die Widerstand leiten, kämpfen und weiter kämpfen werden innerhalb und außerhalb der Mauern gegen dieses verrottete System, das uns alle in Sklaven verwandeln will. Gegen das Verbiegen, Arschtreten und so zupacken, wie du es kannst. Gegen gute Manieren, dem Mythos eines mondänen Lebens und der modernen Lebensart, die uns als höchstes Ideal Ruhe, Ordnung und Sicherheit verkauft.

Von meiner Position als Elternteil bin ich stolz auf meinen Sohn und seiner Haltung aber auch auf all die anderen Jugendlichen, die sich für die Freiheit des Denkens und des Individuums einsetzen.

Ein paar Worte an die Eltern. Wir brachten unsere Kinder in die Welt, wir haben sie gefördert und es ist an der Zeit, sie uns in die Zukunft führen zu lassen. Lasst uns nicht versuchen sie an die Vergangenheit zu binden. Lasst uns neben ihnen an den Barrikaden stehen und lasst uns von ihnen lernen.

Ich sende meine Solidarität an alle politischen Gefangenen aber auch an all die außerhalb der Mauern, die weiter kämpfen und den schwierigen Pfad zu absoluter Freiheit genommen haben.

Giorgos Skouloudis —5. Mai 2011

genauere infos könnt ihr hier nachlesen: