Archiv für März 2012

„Farfalla – Gedanken zu Knastsolidarität und dem Tag der politischen Gefangenen“ Broschüre erschienen


Zum Tag der politischen Gefangenen ist vor ein paar Tagen die Broschüre „Farfalla – Gedanken zu Knastsolidarität und dem Tag der politischen Gefangenen“ erschienen. Die Broschüre ist unten als pdf zum Download verfügbar und unter eaamuc(at)riseup.net zu bestellen.

Hier das Vorwort der Broschüre:

Einige Gedanken im Voraus

Seit langem ist der 18. März als „Tag der politischen Gefangenen“ ein fester Termin im linken Terminkalender. Wir wollen diesen Tag zum Anlass nehmen um uns kritisch mit traditioneller linker Solidaritätsarbeit zu beschäftigen und eine allgemeine Knastkritik zu formulieren.

Der „Tag der politischen Gefangenen“ differenziert schon im Namen zwischen „politischen“ und „nicht-politischen“ Gefangenen. Somit wird verschwiegen, dass alle „Verbrecher_innen“ Produkt einer sozialen Ordnung sind und durch diese bedingt werden. Jedoch beschäftigt sich die „klassische Linke“ meist nur mit skandalisierten Einzelfällen und vermeidet dadurch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Thematik.

Die meisten Paragraphen des Strafgesetzbuches dienen dem Schutz von Staat und sozialer Ordnung, sowie der Sicherung der Eigentumsverhältnisse. So können scheinbar „unpolitische“ Taten auch Ausdruck einer Unzufriedenheit gegenüber dem Bestehenden sein.

Die oft benutzte Forderung „Freiheit für alle politischen Gefangenen“ wendet sich an eine Obrigkeit, die dadurch legitimiert wird, und stellt das Bestehen von hierarchischen Strukturen und des Knastsystems generell nicht in Frage.

Darüber hinaus sehen wir uns einer Mehrheitsgesellschaft gegenüber deren Bild von Gefangenen von stigmatisierenden Klischees geprägt ist. Jegliche kritische Auseinandersetzung wird verweigert und es erfolgt höchstens eine Bewertung von Gerichtsurteilen anhand von moralischen Maßstäben und hegemonialen Gerechtigkeitsvorstellungen.

Für uns stellt es außerdem ein Problem dar, dass Solidarität ein wenig definierter, jedoch viel benutzter Begriff ist, der leider meist bei bloßer Theorie endet. Die Möglichkeit von direkter Solidarität zu Kämpfen und Aufständen in Knästen, wie beispielsweise in Belgien oder der Schweiz, eröffnen Perspektiven, die Kämpfe der Inhaftierten nach außen zu tragen und fortzuführen.

Wir hoffen, mit dieser Broschüre eine Diskussion anzustoßen und dazu anzuregen, festgefahrenen Vorstellung aufzulösen. Diese Broschüre hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, weder ist sie ein Lehrbuch, noch kann und will sie eine universelle Lösung bieten. Mit der Auswahl der Texte wollen wir versuchen, möglichst viele Facetten der Knastgesellschaft zu beleuchten. Auch wenn nicht alle Texte zu hundert Prozent unsere Meinung widerspiegeln, hoffen wir zu einer emanzipatorischen Theorie und Praxis beitragen zu können.

Pit Scherzl kämpf weiter! Zeigen wir Solidarität!

Nach seinem Hungerstreik befindet sich der Gefangene Pit Scherzl weiterhin in einer schwierigen Lage und benötigt unbedingt Solidarität!
Er befindet sich in Isolation und die Kommunikationssperre mit seiner
Postfachadresse in Westerburg besteht weiter.
Kontakt ist aber über seine Knastadresse möglich:

Peter Scherzl
JVA Rheinbach
Aachener Strasse 47
53359 Rheinbach

P.s. Den Hungerstreik hat Pit erst einmal ausgesetzt.

Gefangener flieht bei Gerichtstermin in Dortmund

09.03.2012
Aus den Medien:
Nordrhein-Westfalen: Ein Gefangener ist bei einem Prozesstermin aus dem Landgericht Dortmund geflohen.
Wie ein Gerichtssprecher am Abend mitteilte, war wegen eines „Kommunikationsfehlers“ eine Zellentür in dem Gebäude unverschlossen geblieben. Der Angeklagte brach eine weitere Tür auf und machte sich davon.
Der Vorfall ereignete sich bereits gestern. Der Mann ist noch flüchtig. Bei dem Verfahren ging es um etliche Diebstähle. Erst vor wenigen Wochen hatte die Flucht eines Kriminellen aus dem Bochumer Gefängnis für Aufsehen gesorgt.

Flieh Mensch, flieh !