Hungerstreik gegen Kontrolle und Schikane


Stammheim, den 26.02.2013

An alle…
Seit dem 26.02.2013 befinde ich mich im Hungerstreik.

Gegen 12.30 Uhr kamen zwei Schließer der Anstalt zu mir auf Zelle und forderten
eine Urinprobe. Sie meinten, es bestehe der Verdacht auf Mißbrauch von
Medikamenten, die unter das BtmG fallen.

Natürlich wollte ich den Grund wissen, was für ein Verdachtsmoment bestehe.
Daraufhin bekam ich keine Antwort. Natürlich habe ich die Urinkontrolle
verweigert, da es keine Begründung für diese Maßnahme gibt.

Gegen 14 Uhr habe ich über die Sprechanlage versucht mir nochmal Informationen
zu holen, warum bzw. was es für eine Begründung für diese Kontrolle gibt. Da
wurde mir gesagt, diese wurde obligatorisch, in Form von Stichproben gemacht.
Die Schließer, die vorher bei mir auf Zelle waren sprachen aber von einem
Verdacht. Als ich wieder wissen wollte worauf sich dieser Verdacht begründet,
kam von der Frau Köter, die Schließerin an der Sprechanlage die Antwort: Sie
wisse das nicht, aber ich hätte ab sofort Sicherungsmaßnahmen.

Sicherungsmaßnahmen bedeuten in dem Fall, dass ich an keiner Gruppe oder
Freizeit mehr teilnehmen darf. Dies bedeutet 23 Stunden Aufenthalt in der Zelle.
Eine Stunde Hofgang am Tag, das war es.

Ich verweigere die Mitarbeit nur, weil sie mir keinen plausiblen Grund nennen.
Ohne Benennung des Verdachtsmoments gibt es keinen Grund eine Urinprobe
abzugeben und Ihnen die Kontrolle und Schikanierung zu vereinfachen. Sie
widersprechen sich, einmal ist es so ein Verdacht, plötzlich eine Stichprobe.
Auf jeden Fall ist es eine Demütigung und Entmündigung. Geben Sie mir eine
plausible Erklärung, erläutern sie mir den Verdacht, überlege ich ob ich Ihnen
eine Probe gebe. Die Sicherungsmaßnahmen bleiben unverhältnismäßig, solange
diese Aufrecht erhalten bleiben, solange werde ich versuchen den Hungerstreik
fortzuführen.

Wünscht mir viel Kraft und Ausdauer!
Rony

Schreibt den Gefangenen:

Ronald Haug
JVA Stuttgart
Aspergerstr. 60
70439 Stuttgart