Solidarität mit Marco Camenisch im Hunger- und Arbeitsstreik


Am 30. Dezember ist der anarchistische Gefangene Marco Came­nisch in den
Hunger­streik getreten; seit dem 6. Januar ver­weigert er zudem die in
Schweizer Knästen übliche Zwangsarbeit.

Der Hungerstreik sei Ausdruck seiner Solidarität mit welt­weiten Kämpfen
inner- und ausserhalb der Knäste, schreibt er. Wie jedes Jahr beteiligt
sich Marco mit einem be­fristeten Streik an den Mobilisierungen gegen das
World Eco­nomic Fo­rum in Davos. Auch unterstützt er das alljährliche
internationale Forum gegen Isolation, das von türkischen
Ge­fangen­en­organisationen durch­geführt wird.

Dieses Jahr dauert sein Hungerstreik allerdings länger als in früheren
Jahren. Dazu kommt ein Arbeitsstreik. Marco wur­de vom 30. Dezember bis
zum 6. Januar in Isola­tionshaft verlegt, weil er eine aus seiner Sicht
erniedrigende Urin­probe (Drogen­test) verweigert hatte. In der Logik der
Knastleitung kommt das einer positiven Probe gle­ich. Zusätzlich zur
Iso­la­ti­onshaft hat man ihm deshalb den Com­puter für ein halbes Jahr
entzogen. Das trifft Marco, der einen regen Austausch mit Genoss/innen,
Liebsten und Freund/innen aus der ganzen Welt pflegt, be­sonders hart. Der
Computer ist für ihn ein un­verzicht­bares Hilfs­mittel. Das weiss auch
die Knastleitung: sie will ihm den Kon­takt nach draussen mög­lichst
erschweren. Aus Protest dagegen ist Marco in den Streik getreten.

Die Bestrafung muss im Gesamtzusammenhang ge­sehen werden. Marco ist
Langzeit­gefangener, er sitzt seit 23 Jah­ren unun­terbrochen im Knast. In
dieser langen Zeit hat er sich po­litisch nicht brechen lassen.

Seit Mai 2012 hätte er freikommen können. Doch das unter dem Einfluss des
dubiosen Psychiaters Frank Urbaniok steh­ende Zürcher Amt für
Justizvollzug sperrt sich gegen eine bedingte Ent­las­sung und wird dabei
von zwei SVP- und einer SP-Richter/in des Zür­cher Verwaltungsgericht
unterstützt. Ihre Argumentation im Urteil von Oktober 2013: weil er sich
als Anarchist verstehe und sich nicht psy­chiatrisieren lasse, darü­ber
hinaus auch noch Kontakte zu aktiven Linken pflege, dürfe er nicht
entlassen werden. Das ist nichts an­de­res als Gesin­nungsjustiz.

Unklar bleibt, ob es erneut Bestrebungen gibt, Marco nach­träglich zu
verwahren – wie es schon 2007 der SP-Staats­anwalt Ulrich Weder ohne
Erfolg versucht hatte. Dass das Leben von Gefan­genen keinen Wert besitzt,
hat vor kurzem das mehr als milde Urteil gegen jene Wärter gezeigt, die in
Bochuz den Gefangenen Skander Vogt verrecken liessen.

Wir müssen verhindern, dass sie Marco le­bend begraben. Zeigt eure
Soli­darität – klopft den Schreib­tisch­täter/innen auf die Finger!

Freund/innen und Unterstützer/innen von Marco Camenisch
Januar 2014