Gefängnisse stellen das höchste Mittel des Staates zur Bestrafung von denjenigen dar, die gegen die Regeln und Gesetze, welche von den jeweiligen Herrschenden aufgestellt wurden, verstoßen haben. Eine Person, welche durch Gesetzesbrüche die Norm verletzt, soll bestraft werden und gleichzeitig wird sie als abschreckendes Beispiel für den Rest der Bevölkerung benutzt. Die dadurch geschaffene Trennung in „gut“ und „böse“ soll zusätzlich dazu dienen, dass keine Identifizierung mit den „Kriminellen“ stattfindet. Nebenbei soll damit auch ein Gefühl von Sicherheit erzeugt werden, weil die Bedrohung der Gesellschaft weggesperrt wurde.
Immer neue Gesetze und ausgefeiltere Methoden der Überwachung tragen dazu bei ein Klima der Angst zu erzeugen, in welchen es möglich ist die Disziplinierung, Unterdrückung und Kontrolle der Gesellschaft voranzutreiben, was lediglich zur Festigung der Macht von denjenigen dient, die sie inne haben. Die Rechtfertigung dafür wird durch die Hetze von Medien und PolitikerInnen aufgrund einer vermeintlichen Bedrohung der Gesellschaft durch TerroristInnen geschaffen. Indem aber Menschen in Knäste gesperrt werden, wird nur von den wahren Kriminellen und TerroristInnenen abgelenkt – die die an der Macht sind und uns tagtäglich unsere Freiheit und Leben nehmen. Diejenigen, die dieses System der Ausbeutung und Unterdrückung aufrecht erhalten und unterstützen. Foucault beschrieb dies in Überwachen und Strafen treffend: „…die vom Gefängnissystem dingfest gemachte Delinquenz [ist] eine Ablenkungsanlage für die ungesetzlichen Gewinn- und Machtschleichwege der herrschenden Klassen…“

Seit Jahren ist ein stetiger Anstieg der Gefangenenzahlen zu vermerken, welcher das Resultat von immer mehr Verurteilungen zu immer längeren Haftstrafen ist. Im Gegensatz dazu ist ein Rückgang der Straftaten zu verzeichnen. Ein Blick darauf, wer in den Knästen gefangen gehalten wird offenbart, dass diese Menschen zu einem überwiegenden Teil aus der Unterschicht kommen. Allgemein wird immer davon ausgegangen, dass nur MörderInnen und SexualstraftäterInnen eingesperrt seien, aber in der Realität sitzen viele Menschen in den Knästen, weil sie nicht in der Lage waren ausstehende Rechnungen zu bezahlen, schwarz gefahren sind, sich im Supermarkt etwas gönnen wollten, usw. Ist dies nicht ein Zeichen dafür, dass Knast überhaupt keine Lösung für irgendein Problem ist? Probleme, die eigentlich viel breiter sind: und zwar sind sie eine soziale Frage. Sprich: wie diese kapitalistische Gesellschaft forciert, dass Menschen durch verschiedenste legale und auch „illegale“ Möglichkeiten um ihr Überleben kämpfen müssen. Oder, dass sie nur weil sie über sogenannte „Grenzen“ springen müssen Verbrecher sind? Der Knast ist eine soziale Frage und dementsprechend die Menschen, welche einsitzen, soziale Gefangene.
Das Gefängnis ist nur eine von einer Vielzahl von Einrichtungen, welches dieses System am Laufen halten und dazu dienen Menschen zu erziehen und kontrollieren: Schulen, psychiatrische Einrichtungen, Abschiebelager, usw.

Daher ist es wichtig eine solidarische Bewegung zur Unterstützung mit der Forderung nach Freiheit für alle Gefangenen voranzutreiben. Die Ablehnung aller Formen des Wegsperrens kann nur im Kontext des Kampfes gegen die bestehenden Verhältnisse geschehen, da die Ursache die sozialen Verhältnisse sind in denen wir zu Leben gezwungen werden.

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